Axel Prahl

Wenn Axel Prahl – der medial Traumquoten erzielt und von der Kritik wie vom Boulevard Traumnoten
bekommt - nun zur Gitarre und zum Mikrophon greift, hat dies nichts mit dem Wunsch nach öffentlicher
Abrundung einer, seiner Karriere zu tun: Es ist einzig einem bislang leider sträflich vernachlässigtem
Bestandteil des eigenen Lebensentwurfes geschuldet.
Als Axel bekam er als Achtjähriger die erste Gitarre aus einem schwachbunten Quelle-Katalog, als
Dreizehnjähriger träumte er davon, mal eine Schallplatte zu machen, als junger Mann versucht er sein Glück
mit einem Musikstudium auf Lehramt in Kiel, um es dann doch zunächst lieber als Straßenmusikant in
Spanien finden zu wollen. Doch "gut Ding will Weile haben"!
Den - mentalen - Durchbruch beeinflusst hat wohl ein spontaner Auftritt 1998 mit seinem Freund Andreas
Dresen vor 3500 Menschen in der Berliner Columbiahalle. Es war ein Tribut-Konzert für Gundermann. Prahl
sang dessen "Vater"- Song (eine deutsche Nachdichtung eines Tory Amos Klassikers), und zwar so, dass es
in der überfüllten Halle plötzlich ganz still und danach sehr laut wurde.
Den Startschuss gab er selbst Anfang 2010, als er an seinen Küchentisch in Berlin lud, seine Gitarre vorholte
und einige Song- Skizzen vorstellte.
Nun ist es also so weit. Axel Prahl bringt, 51-jährig, sein erstes Album heraus. Doch er singt nicht
irgendwas! Er interpretiert nicht Brel neu oder Brecht anders, singt keinen Swing oder Schlager der
zwanziger Jahre, nicht Rio Reiser, den er sehr schätzt, oder Hans Albers, nein, ...mit drei Worten gesagt:
Prahl singt Prahl.
Er singt, was aus der eigenen Feder und dem eigenen Erleben entsprungen ist - mit
Blick aufs Mehr.
Seine Band ist ein kleines handverlesenes Orchester von Musikern, die in der deutschen Rock-, Jazz- und
Klassikszene einen klangvollen Namen und eine Menge Erfahrung einzubringen haben. Allen voran Danny
Dziuk, der das Ansehen von Stoppok (längst, mit einigen Klassikern) und jenes von Annett Louisan
(unlängst, mit ihrem aktuellen Album) befördert hat. Auch der Beliebtheit von Kommissar Frank Thiel - von
diesem eher unbemerkt, er hatte wohl anderes zu tun - war er mit einigen Musiken in der Vergangenheit
unaufdringlich behilflich.
Im Studio ruft Prahl "Gib Luft, Gib Luft" zum Bass-Saxophon rüber, ist gerührt von den Streichern des
Babelsberger Filmorchesters und empfiehlt dennoch genau an dieser Stelle auf sie zu verzichten, bittet zu
lächeln bei den Chorgesängen und verändert mit Hilfe seines iPhones nochmals eine Textzeile.
Der Musiker Prahl räsoniert (mit "Blick aufs Mehr") und randaliert (als "Cosmopolitano"), säuselt und seufzt
("Wieso bist du immer noch da?"). Er ist bissig ("Bla Bla Bla") bis blauäugig brav, rührt ("Schön das du da
bist), verführt und taucht (als "Wilde Welle") uns in ein höchst vergnügliches, heiß-kaltes Wechselbad der
Gefühle, welches ganz am Ende sogar noch Platz für investigative Momente lässt.
Prahl und seine Musiker verzaubern uns mit einer gekonnten Melange musikalischer Stilmittel. Das ist im
besten Sinne abwechslungsreich und so gar nicht beliebig, wenn nach fast minimalistischen Balladen große
Orchesterarrangements und nach Klezmer- und Musetteanklängen gerade heraus gespielte Rocknummern
folgen.
Vieles, was die Filmkritik an ihm schätzt, und noch mehr, was das Publikum an ihm liebt, findet man in
seinen Liedern wieder. Er ist auf höchst musikalische Weise ganz bei sich selbst und zeigt uns doch auch
vieles, was wir von ihm noch nicht kennen. Es ist dennoch keine Nabelschau.
Allein, dass man Axel Prahls unvermutet zart- zerbrechlichen Schmelz in seiner Stimme und deren
Modulationsfähigkeit erst jetzt zu hören bekommt, ist zwar irgendwie ärgerlich, aber nun, da neben dem
Album 2012 auch einige Konzerte folgen, auch tröstlich zugleich.
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