Wolfgang Niedecken & Co. feat. Anne de Wolff & Rhani Krija
Es war ein Geburtstagsgeschenk der ganz besonderen Art, das Wolfgang Niedecken der Berliner „taz“ anlässlich ihres dreißigjährigen Bestehens im April 2009 machte. Eingeladen als Topact der Feierlichkeiten, hatte Niedecken zusammen mit der Geigerin Anne de Wolff und dem Percussionisten Rhani Krija „Songs aus Köln, Berlin, New York un Jottweißwo“ präsentiert – ein mitternächtliches Unplugged-Programm, das BAP-Klassiker und –Raritäten ebenso enthielt wie Coverversionen von Songs geschätzter Kollegen wie Lou Reed, Leonard Cohen, Bruce Springsteen und Bob Dylan. „Ein Programm voller Anmut und Entschlossenheit“, urteilte die Presse; ein Programm, das nun, in veränderter und erweiterter Form, aufgrund großer Nachfrage eine Neuauflage erfährt.
Nicht nur die „taz“ erkennt in Wolfgang Niedecken den „Erfinder des deutschen Dialektrocks“. Seit mittlerweile fast fünfunddreißig Jahren bringt Niedecken, als BAP-Chef einer der erfolgreichsten deutschen Rockmusiker, den Kölner Dialekt zum Funkeln, zum Nachdenken und zum Erzählen, eröffnet ihm eine vorher ungekannte thematische Vielfalt und literarische Qualität. Niedeckens Texte zeigen ein Köln ohne Narrenkappe, sie erwecken das in Gemütlichkeit und Karnevalsseligkeit versunkene Kölsch zum Leben und durchbrechen, mit jeder Platte aufs Neue, in einzigartiger Weise alle Sprach- und Verständnisbarrieren. So erreichte auch das bislang letzte BAP-Album „Radio Pandora“, veröffentlicht im Juni 2008, wieder den ersten Platz der Verkaufshitparade. Im selben Jahr wurde Wolfgang Niedecken für seine besonderen Verdienste um die deutschsprachige Dialektliteratur mit dem renommierten Friedestrompreis ausgezeichnet.
Dank BAP hat der Kölner Dialekt sein Ghetto verlassen. Niedeckens Texten liegt nichts ferner als provinziell beschränkte Heimatkunst, davon legt auch der erklärte Kosmopolitismus ihrer Schauplätze Zeugnis ab: Berlin, New York, aber auch Marokko, Norduganda und Patagonien bilden den Horizont eines Erdkreises, in dessen Mitte – von Rechts wegen – Köln liegt. Es gehört zu Niedeckens Stärke, dass er das Fremde mit der gleichen Liebe ausspricht wie die nahen Dinge. Er nimmt, was er erzählt, aus der Erfahrung; aus der eigenen oder berichteten, der gelesenen und überlieferten. Seine Habe besteht aus einem Koffer voller Geschichten, sein Glück aus der Aufmerksamkeit seiner Zuhörer, wenn er zu erzählen beginnt. Von Aufbruch und vom Wegfahren handeln die „Songs aus Köln, Berlin, New York un Jottweißwo“; vom Unterwegssein, dem Verlust aller Sicherheiten und von der Sehnsucht, die nur eine Richtung kennt: zurück zum Heimathafen.
Während die Besucher der BAP-Tourneen das längst legendäre „Affrocke“ der Band bei dreistündigen Auftritten in Rock ’n’ Roll-Hallen und bei Sommernachtskonzerten unter freiem Himmel feiern, ergibt sich nun, in einer BAP-Pause, die Gelegenheit, mit dem Programm „Songs aus Köln, Berlin, New York un Jottweißwo“ Wolfgang Niedecken bei einem raren Unplugged-Auftritt zu erleben: Akustisch, nah, mit einem eigens für den Anlass zusammengestellten Programm voller Überraschungen und im Verbund mit zwei herausragenden Musikern. Anne de Wolff (Rosenstolz, Calexico), die neben Geige auch Akkordeon, Mandoline und Bass spielt, und Rhani Krija, den sein Weg von traditioneller marokkanischer Musik über den Jazz hin zu Popgrößen wie Sting und Prince geführt hat, werden Niedecken dabei unterstützen, seine Songs in neuen Arrangements und mit veränderter Instrumentierung zu präsentieren.
Eine intime Konzertsituation, die wie geschaffen scheint für den „Storyteller“ Wolfgang Niedecken, der, um einen Satz Walter Benjamins aufzugreifen, wie jeder große Erzähler die Begabung hat, „sein Leben, seine Würde: sein ganzes Leben erzählen zu können“. Der Besucher ist eingeladen, sich einzulassen auf eine intensive musikalische Erfahrung, sich mit auf eine Reise zu machen, die mitten im Alltag neue Möglichkeiten erahnen lässt. Ein Abend voller Geschichten, voller Songs, die wie fremde Länder sind oder wie Träume.
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